Geschichte der Schneiderzunft

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dominierte bei den Aktivitäten der Zuger Zünfte das religiöse Element. Die Zunftkerze war das Zeichen der Verbrüderung, die völlig vom mittelalterlichen Denken erfüllt war, wonach sich Frömmigkeit und Berufstätigkeit eng miteinander verbinden. Diesseits und Jenseits, Alltag und Sonntag waren ineinander verwoben.
Die Katastrophe des Altstadtuntergangs von 1435 zeigte jedermann die Abhängigkeit des Menschen von einer übergeordneten Macht. Nicht zuletzt deshalb widmeten sich auch die Schneiderzünfterin besonderer Weise der Pflege der Frömmigkeit. Davon zeugen die eindrücklichen Bruderschaftsrödelvon 1466 und 1484, in denen ausführlich beschrieben wird, wie das Anniversarium, d.h. der jährlich wiederkehrende Gottesdienst zum Heil aller verstorbenen und lebenden Mitglieder, zu begehen sei. Zudem werden alle Mitglieder namentlich aufgeführt.


Gewerbeordnung von 1635

Bis ins 17. Jahrhundert pflegte man – trotz der Zunftbriefe verschiedener Berufsgruppen – eine Art Gewerbefreiheit, d.h. jedermann, ob Zunftmitglied oder nicht, konnte neben seinem Handwerk noch etwas Handel in der Stadt oder der umliegenden Landschaft betreiben. Dies führte zu einer immer grösserenKonkurrenz ohne Preis- und Qualitätskontrolle so daßder Rat der Stadt eine Gewerbeordnung erstellen liessund die Zunft der Schneider, Tuchscherer und Gewerbsleutemit der Überwachung beauftragte.
 
Wandel

Nach der Gründung des Bundesstaates 1848, der in der Verfassung die Handels- und Gewerbefreiheit proklamierte, verlagerte sich die Bedeutung der Zünfte von einer Interessengemeinschaft zum Schutze berufsständischer Anliegen zu einer Vereinigung Gleichgesinnter zur Pflege von Traditionsbewusstsein, Kameradschaft und Geselligkeit.
Wie sich die Mode von Jahr zu Jahr verändert, so mussten sich die Zünfte der neuen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Realität anpassen. Viele Zuger Zünfte schafften diesen Turn a roundnicht und wurden aufgelöst. Jene aber – wie die Schneiderzunft – die ihre Existenz in die Neuzeit retten konnten, mussten sich neue Aufgaben stellen, die aber um ein festes traditionelles Gerüst herum (Gedenkgott
esdienst, Vorbot, Hauptbot) eingeführt wurden.
 

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